Vormundschaft

„Takt ist die Fähigkeit,
einem Anderen auf die Beine zu helfen,
ohne ihm dabei auf die Zehen zu treten.“
(Curt Goetz)

Vormundschaft

Takt ist die Fähigkeit,
einem Anderen auf die Beine zu helfen,
ohne ihm dabei auf die Zehen zu treten.“
(Curt Goetz)

Wenn Eltern nicht mehr in der Lage sind, ihre Kinder rechtlich zu vertreten, wird eine Vormundschaft benötigt. Eltern können aus den verschiedensten Gründen nicht mehr verfügbar sein. Im schlimmsten Fall sind sie verstorben oder aber schwer erkrankt. Nicht selten sind sie aber aus anderen Gründen nicht verfügbar, zum Beispiel wenn sie selbst minderjährig sind. Ein anderes Beispiel für die Notwendigkeit einer Vormundschaft sind unbegleitete minderjährige Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen.

In diesem Text möchte ich die wichtigsten Fragen zur Vormundschaft beantworten.

 

vormundschaft_symbol

Was genau bedeutet eigentlich Vormundschaft?

Eine Vormundschaft liegt dann vor, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, die rechtliche Sorge für das Kind auszuüben. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Beispielsweise könnten die Eltern durch einen tödlichen Unfall nicht mehr verfügbar sein oder sie sind selbst noch minderjährig und können daher die notwendigen rechtlichen Entscheidungen für ihr Kind nicht treffen.

Der Vormund ist eine Person, die die rechtlichen Interessen des Kindes vertritt. Er übernimmt die Vertretung dieses Minderjährigen gegenüber Behörden, Ärzten, Kindergarten, Schule und vielen anderen. Er übernimmt auch die Rechtsgeschäfte, die bei Minderjährigen anfallen können. Die Vormundschaft umfasst sämtliche Lebensbereiche des Minderjährigen. Wichtige Regelungen zur Vormundschaft finden sich vor allem in den §§ 1773 bis 1895 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Das minderjährige Kind, dass eine Vormundschaft bekommt, wird Mündel genannt.

Wie kann es zu einer Vormundschaft kommen?


Das Gesetz legt eindeutig fest, unter welchen Voraussetzungen ein Minderjähriger einen Vormund erhält. Diese Voraussetzungen sind in der Vorschrift des § 1773 BGB zu entnehmen. Darin ist festgelegt, dass ein Minderjähriger einen Vormund bekommt, wenn er nicht unter elterlicher Sorge steht oder wenn die Eltern weder in den, die Person noch in den das Vermögen betreffenden Angelegenheiten, zur Vertretung des Minderjährigen berechtigt sind. Das Gleiche gilt, wenn sein Familienstand nicht zu ermitteln ist.

Eine Vormundschaft für eine minderjährige Person kann beim Familiengericht angeregt werden. Diese Anregung muss schriftlich oder mündlich beim Familiengericht gestellt werden. Einen Vordruck stelle ich Ihnen hier (Downloads) zur Verfügung.

Die Vormundschaft wird durch das zuständige Vormundschaftsgericht, einer speziellen Abteilung des Familiengerichtes, angeordnet. Das Gericht wählt den Vormund aus und ernennt ihn in einem Vormundschaftsverfahren.

Der Vormund ist dafür verantwortlich, dass die rechtlichen Interessen des Mündels vertreten werden und das Kindeswohl im Vordergrund steht. Dazu zählt die Personen- als auch die Vermögenssorge. Es gibt jedoch auch bestimmte Rechtsgeschäfte, für die der Vormund einer besonderen Genehmigung durch das Vormundschaftsgericht bedarf. Dazu zählen vor allem große Investitionen oder Veräußerungen, etwa der Kauf oder Verkauf einer Immobilie.

Eine sogenannte gesetzliche Amtsvormundschaft durch das jeweils zuständige Jugendamt tritt mit Geburt eines Kindes dann ein, wenn die Eltern nicht miteinander verheiratet sind und das Kind einen Vormund benötigt, weil beispielsweise die Mutter nicht volljährig ist. Dies ist jedoch nicht nötig, wenn vor der Geburt des Kindes bereits ein Vormund bestellt wurde.

Kann man seinen Vormund selbst bestimmen?

Diese Frage kann man sowohl mit „Ja“ als auch mit „Nein“ beantworten. Das Familiengericht ist gesetzlich verpflichtet, in seiner Entscheidung die Wünsche des zukünftigen Mündels in Erfahrung zu bringen und soweit möglich auch zu berücksichtigen.

In einer Sorgerechtsverfügung können die Eltern bestimmen, wer der Vormund für ihr Kind/Kinder im Falle eines Falles werden soll. Darin wird eine Person als Vormund von den Eltern vorgeschlagen.

Das Gericht muss prüfen, ob die vorgeschlagene Person für eine Vormundschaft geeignet ist. Es ist oft sinnvoll, mehrere Personen als potentielle Vormünder vorzuschlagen, da sich Lebenssituationen ändern können und ein vorgeschlagener Vormund unter Umständen später nicht mehr zur Verfügung steht.

Wurde eine Sorgerechtsverfügung erstellt, versucht das Gericht die darin enthaltenen Wünsche zu erfüllen. Vormund werden können zum Beispiel:

      • Großeltern, Verwandte oder Freunde
      • Andere vertraute Personen im Lebensumfeld der Familie
      • Mitglieder eines Vormundschaftsvereins
      • selbstständige Berufsvormünder
      • Amtsvormünder des Jugendamtes

Für wie lange wird eine Vormundschaft festgelegt?


Die Vormundschaft wird je nach individueller Situation des Mündels festgelegt. Fallen die Eltern nur vorübergehend aus, z.B. durch schwere Krankheit, wird die Vormundschaft entsprechend zeitlich begrenzt. Wenn die Eltern dauerhaft nicht mehr zur Verfügung stehen, wird die Vormundschaft bis zum Ende der Minderjährigkeit geführt und endet dann automatisch.

Kurz vor Ende der festgelegten Vormundschaftszeit, ist zu prüfen, ob das Mündel auch nach Beendigung der Vormundschaft eine Unterstützung benötigt. Dies kann zum Beispiel bei Kindern mit Behinderung der Fall sein. Dann muss eine rechtliche Betreuung eingerichtet werden. Diese kann dann durchaus durch den bisherigen Vormund weitergeführt werden.

Für welche Lebensbereiche ist der Vormund zuständig?


Das Gericht entscheidet individuell, für welche Lebensbereiche eine Vormundschaft notwendig ist. Es kann auch durchaus sein, dass 2 Vormünder für ein Mündel bestellt werden. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Wunschvormund nicht in der Lage ist, das Vermögen des Mündels zu verwalten. In diesem Fall würde das Sorgerecht an den Wunschvormund übertragen und die Vermögenssorge an den 2. Vormund.

Das Vormundschaftsgericht legt in seinem Beschluss dann genau fest, welche sogenannten „Aufgabenkreise“ der Vormund besorgen soll. Dies sind in der Regel die Personensorge, die Vermögenssorge und die Gesundheitssorge. Auch die Vertretung gegenüber Behörden, Wohnungsangelegenheiten oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht können als Aufgabenkreis definiert werden.

Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Vormund nicht frei schalten und walten darf. Der Vormund ist zum Beispiel gesetzlich verpflichtet, ein vorhandenes Vermögen des Mündels sicher anzulegen. Er benötigt außerdem für sehr viele Maßnahmen, die zusätzliche Genehmigung des Gerichtes.

Kann man die Vormundschaft auch wieder rückgängig machen?

 

Ja, das ist jederzeit möglich. Sowohl der Betreute, als auch der Betreuer können beim Betreuungsgericht einen Antrag auf Aufhebung der Betreuung stellen. Das Gericht ist verpflichtet dies zu prüfen. Wenn allerdings jemand innerhalb kurzer Zeit immer wieder Anträge auf Aufhebung der Betreuung stellt, kann das Gericht diese ablehnen. Sollte der Grund für eine Betreuung wegfallen, muss das Gericht die Betreuung zwingend aufheben. Der Betreuer ist verpflichtet, dass Betreuungsgericht über den Wegfall der Betreuungsgründe zu informieren.

Ist es möglich, den Umfang der Vormundschaft zu ändern?


Ja, durch einen Antrag kann auch der Umfang der Betreuung geändert werden. Wenn Betreuter und Betreuer merken, dass die gerichtlich festgelegten Aufgaben des Betreuers nicht ausreichen oder der Betreute bestimmte Aufgaben im Leben wieder allein bewerkstelligen kann, kann das Gericht auf Antrag des Betreuten und/oder des Betreuers die Aufgaben des Betreuers an die neuen Lebensbedingungen anpassen.

Der Betreuer ist sogar gesetzlich verpflichtet, Änderungen der Lebensbedingungen des Betreuten mit seinen Aufgaben abzugleichen und notwendige Änderungen beim Betreuungsgericht zu beantragen.

Bekommen Menschen mit schwerer körperlicher oder geistiger Behinderung automatisch einen Vormund?


Nein, das ist nicht möglich. Kann ein Mensch mit körperlicher oder geistiger Behinderung seinen Willen mitteilen und die Folgen seiner Rechtsgeschäfte richtig beurteilen, darf für diesen Menschen kein Betreuer bestellt werden. Nur wenn er selbst einen Betreuer wünscht, kann das Gericht einen Betreuer bestimmen. Sollte eine Person in der Umgebung dieses Menschen die Notwendigkeit einer Betreuung sehen, kann er diese Betreuung beim Betreuungsgericht anregen. Das Gericht prüft dann genau und mittels ärztlicher Gutachten, ob und in welchem Umfang die Betreuung wirklich erforderlich ist.

Für die Anregung einer Betreuung habe ich Ihnen ein Musterformular zur Verfügung gestellt. Dieses können Sie hier herunterladen.

Wer kann Vormund werden?


Man kann in der Sorgerechtsverfügung oder in der Anregung einer Vormundschaft eine Person als Vormund vorschlagen. Das Gericht muss prüfen, ob die vorgeschlagenen Personen für eine Vormundschaft geeignet sind.

Haben Sie eine Sorgerechtsverfügung, versucht das Gericht die darin enthaltenen Wünsche zu erfüllen.

Vormund werden können zum Beispiel:

      • Großeltern, Verwandte oder Freunde
      • Andere enge Vertraute der Eltern oder des Mündels
      • Mitglieder eines Vormundschaftsvereins
      • selbstständige Berufsvormund
      • Amtsvormund des Jugendamtes

Ich kann Minderjährige als Berufsvormund mit meinem umfassenden Vormundschafts- und Behördenwissen gern rechtlich vertreten. Bitte kontaktieren Sie mich gern telefonisch oder über mein Kontaktformular >> Kontakt.

Gibt es eine Kontrolle über die Arbeit des Vormunds?


Für die Kontrolle des Vormundes ist das Familiengericht verantwortlich. Grundsätzlich muss der Vormund einmal im Jahr einen Bericht an das Gericht senden. Er muss außerdem Rechenschaft über den Verbleib des Vermögens des Mündels gegenüber dem Familiengericht ablegen. Das Gericht prüft nun, ob der Vormund zum Wohle des Mündels gehandelt hat. Ärzte, Verwandte, Familienangehörige oder sonstige Personen im Lebensbereich des Mündels können Beschwerde beim Familiengericht einreichen, wenn sie den Eindruck haben, dass der Vormund nicht zum Wohle des Mündels handelt. Das Gericht ist verpflichtet, diese Hinweise prüfen und gegebenenfalls einen anderen Vormund zu bestellen.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zum Thema Vormundschaft umfassend beantworten. Sollten noch Fragen offen sein oder eine spezielle Lebenssituation eine individuellere Betrachtung erfordern, kontaktieren Sie mich gern.